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Das Handelsabkommen zwischen den USA und China stellt die Märkte vor ein Paradox

Das Handelsabkommen zwischen den USA und China stellt ein Paradoxon für die Märkte dar
Das Handelsabkommen zwischen den USA und China stellt ein Paradoxon für die Märkte dar

In der vergangenen Woche unterzeichneten die USA und China ihr Phase-1-Handelsabkommen. Meiner Auffassung nach ist dieses Handelsabkommen zwar an und für sich unbedeutend, aber paradoxerweise dennoch extrem wichtig.

Es ist unbedeutend aus zwei Gründen: Die Importzölle bleiben für eine Vielzahl an Handelsgütern bestehen, und das Abkommen klammert die größten Streitpunkte aus. Dennoch hat das Abkommen eine starke Symbolwirkung: Es bedeutet, dass die Spannungen zwischen den beiden Ländern einen Höhepunkt überschritten haben und allmählich wieder zurückgehen – ebenso wie die wirtschaftspolitischen Unsicherheiten. Und wenn Unternehmen der Auffassung sind, dass die Wirtschaftspolitik berechenbarer wird, erhöhen sie in der Regel ihre Ausgaben, besonders im Investitionsbereich.Some flies in the ointment

Ein paar Haare in der Suppe

Trotz des positiven Signals besteht ein kleines Risiko, dass das Abkommen scheitert. Zunächst einmal ist zu bezweifeln, dass China in der Lage sein wird, amerikanische Produkte in dem zugesagten Umfang zu kaufen. Dies schließe ich zum einen aus dem Volumen seiner US-Importe in der Vergangenheit und zum anderen daraus, dass das Land seine Nachfrage mittlerweile in stärkerem Maße durch Einfuhren aus anderen Ländern wie vor allem Brasilien deckt. Und ich glaube, dass die USA daher ihre Handelszölle nicht nennenswert gesenkt haben. Mit einem deutlichen Zollabbau auf amerikanischer Seite ist womöglich erst nach den Präsidentschaftswahlen zu rechnen und auch nur für den Fall, dass China seine Verpflichtungen gemäß dem Phase-1-Abkommen erfüllt. Meiner Meinung nach wird jedoch das Phase-1-Abkommen halten – selbst dann, wenn nicht alle darin festgelegten Verpflichtungen im Detail erfüllt werden –, da dies im besten Interesse beider Parteien ist.

Ich möchte aber gleichzeitig betonen, dass ich in diesem Jahr nicht mit der Unterzeichnung eines Phase-2-Abkommens zwischen den USA und China rechne. Das Phase-1-Abkommen war relativ einfach zu erzielen, da es besonders strittige Fragen ausklammerte und sich mit weniger komplexen Themen wie den Handelsungleichgewichten befasste. Nachdem nun die einfachen Angelegenheiten gelöst sind, dürften sich die Phase-2-Verhandlungen sehr viel schwieriger gestalten.

Eine besonders ernüchternde Einschätzung war vor kurzem in den Taoran Notes zu lesen (ein Blog, der mit der chinesischen Regierungszeitung Economic Daily in Verbindung steht und der oft als Sprachrohr der Regierung dient). Dort hieß es: „Wir müssen uns vor Augen halten, dass der Handelskrieg noch nicht vorbei ist – die USA haben ihre Importzölle für chinesische Waren nicht aufgehoben, und China hat seine Vergeltungsmaßnahmen bisher nicht zurückgenommen. Es gibt immer noch viele Unsicherheiten.“1 Daher glaube ich, dass wir allenfalls auf eine Fortsetzung der Phase-2-Gespräche hoffen können. Die Chancen dafür stehen gut; die Erzielung eines Abkommens ist dagegen unwahrscheinlich. Meiner Meinung nach wird die Fortsetzung der Gespräche jedoch ausreichen, um den Aktienmärkten neuen Auftrieb zu verleihen.

Droht ein Handelskrieg zwischen den USA und der EU?

Es bleibt ein wichtiges Risiko bestehen, über das ich mir schon seit geraumer Zeit Sorgen mache: Nachdem die USA ein Handelsabkommen mit China geschlossen haben, könnten sie versucht sein, einen weiteren Handelskonflikt vom Zaun zu brechen – dieses Mal mit der EU. Die Spannungen zwischen beiden Seiten haben bereits zugenommen. Dies veranlasste in der vergangenen Woche den EU-Handelskommissar, nach Washington zu reisen, um die Lage zu entschärfen. Und die Gespräche sollen nächste Woche am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos fortgesetzt werden. Ich halte jedoch eine Eskalation der Handelsspannungen durchaus für möglich, zumal dies der Trump-Administration Munition für ihren Wahlkampf liefern würde, ohne die amerikanische Wirtschaft in gleichem Maße zu schädigen wie bei einem Handelskrieg mit China. Ein Handelskonflikt zwischen den USA und der EU könnte jedoch das Geschäftsklima belasten und zu einem Rückgang der Investitionsausgaben führen. Wir werden daher die Situation genau im Auge behalten.

Die wirtschaftlichen Unsicherheiten sind zunächst einmal zurückgegangen. Vor diesem Hintergrund rechne ich damit, dass die Investitionsausgaben zunehmen werden. Wir finden vermehrt Hinweise darauf, dass sich insbesondere die Verbraucherstimmung in China deutlich aufgehellt hat, was gut für die Konjunktur und den Aktienmarkt des Landes sein dürfte. Darüber hinaus könnten chinesische Aktien weiterhin davon profitieren, dass die Normalisierung der Bilanzen voranschreitet, eine Entwicklung, die bereits im September zu beobachten war. Dadurch könnte neue Liquidität in die Märkte fließen.

Quellen

  • 1 Quelle: South China Morning Post, 13. Jan. 2020.

Risikohinweis

  • Der Wert von Anteilen kann schwanken. Dies kann teilweise auf Wechselkursänderungen zurückzuführen sein. Es ist möglich, dass Anleger bei der Rückgabe ihrer Anteile weniger als den ursprünglich angelegten Betrag zurückerhalten.

Wichtige Informationen

  • Daten vom 21. Januar 2020, sofern nicht anders angegeben. Dieses Marketingdokument stellt keine Empfehlung dar, in eine bestimmte Anlageklasse, Finanzinstrument oder Strategie, zu investieren. Das Dokument unterliegt nicht den regulatorischen Anforderungen, welche die Unvoreingenommenheit von Anlageempfehlungen/Anlagestrategieempfehlungen sowie das Verbot des Handels vor der Veröffentlichung der Anlageempfehlung/Anlagestrategieempfehlung vorschreiben. Diese Information dient ausschliesslich der Veranschaulichung und ist keine Empfehlung zum Kauf, Halten oder Verkauf von Finanzinstrumenten. Die in diesem Material dargestellten Prognosen und Marktaussichten sind subjektive Einschätzungen und Annahmen des Fondsmanagements oder deren Vertreter. Diese können sich jederzeit und ohne vorherige Ankündigung ändern. Diese Publikation ist nicht Bestandteil eines Verkaufsprospektes. Sie enthält lediglich allgemeine Informationen und berücksichtigt keine individuellen Erwartungen, steuerliche oder finanzielle Interessen.